2.1 Einleitung/Überblick


Das zweite Kapitel über CFDs zur Erlangung des CFD-Führerscheins beschäftigt sich mit den Handelsmöglichkeiten von CFDs. Welche Positionen können Sie mit CFDs eingehen?  Worauf setzen Sie mit den Positionen? Wie können Sie CFD-Positionen auch zur Absicherung einsetzen?
An ausführlichen Beispielen werden Ihnen die Handelsmöglichkeiten erläutert.

2.2 Kurzbeschreibung CFD: Handelsmöglichkeiten


CFDs können Sie vom Market-Maker sowohl kaufen – Long Position – als auch an den Market-Maker verkaufen – Short Position.
Mit der Long-Position setzen Sie auf steigende Kurse, mit der Short Position auf fallende Kurse.
Die Spekulation auf fallende Kurse ist mit dem Basiswert direkt häufig nicht möglich. Sie müssten hierzu den Basiswert – den Sie aktuell gar nicht besitzen – zunächst einmal „leer“ verkaufen,
um ihn später bei gefallenen Preisen selber günstiger einkaufen zu können. Solche Leerverkäufe sind Privatanlegern in Deutschland in der Regel
nicht möglich. Mit CFDs jedoch ist die Spekulation auf fallende Preise
in einfacher Weise umsetzbar. Dies ist ein wesentlicher Vorteil von CFDs gegenüber dem Basiswert.

2.3 Handelsmöglichkeiten


Ob nun Long oder Short: In beiden Fällen müssen Sie für Ihre Position beim Market-Maker eine Margin entrichten.
Die Höhe der Margin hängt vom jeweiligen Basiswert ab. Bei Aktien beträgt sie typischerweise 5%, bei Rohstoffen 5% und bei Indizes 2%.
Die Margin-Anforderung wird direkt von Ihrem CFD-Handelskonto abgebucht.
Bei Beendigung des Geschäfts – Verkauf der zuvor gekauften CFDs bzw. Rückkauf der zuvor verkauften CFDs – erhalten Sie die Margin zurück,
sofern kein Verlust entstanden ist. Entstehen hingegen Gewinne werden Ihnen diese zusätzlich auf dem Konto gutgeschrieben.

2.4 Long Positionen


Mit einer CFD-Long-Position setzen Sie auf steigende Kurse.


Lassen Sie uns ein Beispiel rechnen:

Aufgrund einer aussichtreichen Chartformation bei Daimler, rechnen Sie kurzfristig mit deutlich steigenden Daimler-Kursen.
Sie kaufen demnach 100 CFDs auf Daimler zum Preis von 60 Euro das Stück.
Die Sicherheitsleistung für die 100 Daimler-CFDs beträgt 5,0% des Kaufwerts für Daimler-Aktien, demnach
100 Aktien x 60,00 pro Aktie x 5% Margin = 300 Euro.
Der Hebel der Position beträgt 20, wie Sie leicht errechnen können: 100% geteilt durch 5% Margin = 20.
Steigt die Aktie auf 61 Euro und damit der CFD ebenfalls auf 61 Euro, so entstehen 100 Euro Gewinn.
Fällt die Aktie auf 59, so ergäben sich bei der Aktie und den CFDs pro Aktie/CFD 1 Euro Verlust, insgesamt ebenfalls 100 Euro.
Vergleicht man die Gewinne in der Aktien- und in der CFD-Position, so stellt man fest:
Die absoluten Gewinne und Verluste sind identisch. Die prozentualen Gewinne und Verluste sind um den Hebel der CFDs größer.

Dies lässt sich in einer Tabelle am besten darstellen …

Preis Aktie Preis CFD Gewinn/Verlust
Aktionposition
100 Aktien in EUR
Gewinn/Verlust
Aktionposition
100 Aktien in %
Gewinn/Verlust
CFD-Position
100 CFDs in EUR
Gewinn/Verlust
CFD-Position
100 CFDs in %
65,00 65,00 +500,00 +8,33 +500,00 +166,67
62,00 62,00 +200,00 +3,33 +200,00 +66,67
60,00 60,00 +/-0,00 +/-0,00 +/-0,00 +/-0,00
59,40 59,40 -60,00 -1,00 -60,00 -20,00
58,00 58,00 -200,00 -3,33 -200,00 -66,67
55,00 55,00 -500,00 -8,33 -500,00 -166,67


Mit CFDs können bei sehr begrenztem Kapitaleinsatz bereits bei kleinen Preisbewegungen sehr große Gewinne aber auch Verluste entstehen. Vergleichen Sie bitte die deutlich höheren prozentualen Gewinne und Verlust bei den CFDs im Vergleich zur Aktie.
Fällt die Aktie zum Beispiel auf 59,40 Euro um 1%, so ergibt sich bei den CFDs bereits ein Verlust in Höhe von 20% des eingesetzten Kapitals.

2.5 Short Positionen


Mit einer CFD-Short-Position setzen Sie auf fallende Kurse.

Bei einer Short-Position verkaufen Sie CFDs zu dem momentan noch hohen Preis. Je billiger Sie die CFDs später zurück kaufen,
desto höher ist Ihr Gewinn. Im Gegensatz zur Long-Position spekulieren Sie also auf fallende Kurse. Auch in diesem Fall haben Sie eine Sicherheitsleistung zu hinterlegen.

Beispiel:
Sie erwarten fallende Kurse der Aktien der Deutsche Börse AG.

Der aktuelle Preis der Aktien beträgt 100 Euro. Sie verkaufen 100 CFDs auf die Deutsche Börse. Die Margin (Sicherheitsleistung)
für die 100 CFDs beträgt wieder 5%. Da 100 Deutsche Börse-Aktien 100 x 100 Euro = 10.000 Euro kosten, beträgt die Margin 500 Euro
Zur Berechnung multiplizieren Sie den benötigten Kaufpreis der Aktien mit der Margin  von 5%, also 100 Aktien x 100 Euro
je Aktie = 10.000 Euro multipliziert mit 5% = 500 Euro. Auch in diesem Beispiel beträgt der Hebel 20.

Bei einer Short-Position entstehen bei fallenden Aktienpreisen Gewinne, bei steigenden Preisen Verluste.


Dies wird in einer Tabelle wieder deutlich …

Short Position:  
Anlagesumme Anlagesumme 100 Aktien x 100,00 Euro = 10.000,00 Euro
Sicherheitsleistungen Sicherheitsleistung 5% x 10.000,00 Euro = 500,00 Euro

 

Preis Aktie Preis CFD Gewinn/Verlust
Aktionposition
100 Aktien in EUR
Gewinn/Verlust
Aktionposition
100 Aktien in %
Gewinn/Verlust
CFD-Position
100 CFDs in EUR
Gewinn/Verlust
CFD-Position
100 CFDs in %
104,00 104,00 +400,00 +4,00 -400,00 -80,00
101,00 101,00 +100,00 +1,00 -100,00 -20,00
100,50 100,50 +50,00 +0,50 -50,00 -10,00
100,00 100,00 +/-0,00 +/-0,00 +/-0,00 +/-0,00
99,50 99,50 -50,00 -0,50 +50,00 +10,00
99,00 99,00 -100,00 -1,00 +100,00 +20,00
96,00 96,00 -400,00 -4,00 +400,00 +80,00


Bei einem Anstieg der Aktienkurse entstehen Verluste. Steigt die Aktie zum Beispiel um nur 4% entstehen aufgrund des Hebels 80%
Verluste in der CFD-Position. Bei fallenden Preisen hingegen entstehen gehebelte Gewinne.

2.6 Absicherung


Short Positionen können Sie auch zur Absicherung von bestehenden Aktien in Ihrem Depot einsetzen.

Die Aktien in Ihrem Depot entsprechen einer Long-Position, die CFDs stellen eine Short-Position dar. Zusammen ergibt sich
eine neutrale Position. Dies ist leicht nachzuvollziehen. Nehmen wir an, Sie besitzen 100 Aktien der Deutsche Börse AG und rechnen
mit fallenden Kursen. Aus steuerlichen oder anderen Gründen wollen Sie Ihre Aktien aber nicht verkaufen. Aus diesem Grund verkaufen Sie
100 CFDs auf die Deutsche Börse wie im vorigen Beispiel.  Fällt jetzt der Kurs der Deutsche Börse von 100 Euro auf 99 Euro, so entsteht
bei den Aktien im Depot ein Verlust in Höhe von 100 Euro. Gleichzeitig aber weist die CFD-Position einen Gewinn von 100 Euro auf.
Gewinne und Verluste gleichen sich gegenseitig aus
. Sollten Sie also den Wunsch haben, Ihr Aktiendepot kurzfristig zu neutralisieren, weil Sie
mit fallenden Kursen rechnen, so können Sie das Depot durch den Verkauf von CFDs schützen.
Die Neutralisierung läuft jedoch in beide Richtungen. Bei nicht erwartet steigenden Kursen werden die Gewinne in den Aktien ebenso durch
Verluste bei den CFDs ausgeglichen. Der Wert Ihrer Gesamtposition ist also in beide Richtungen eingefroren.

2.7 Zusammenfassung


Mit CFDs können Sie sowohl Long- als auch Short-Positionen eingehen
. Short-Positionen im Basiswert sind für Privatanleger im Normalfall
nicht möglich. Mit der Long-Position setzen Sie auf steigende Kurse, mit der Short Position auf fallende Kurse. In beiden Fällen sind Margins zu hinterlegen. Die Margins werden vom CFD-Handelskonto blockiert und bei Beendigung eines Geschäfts wieder freigegeben.
Die Margins werden zur Abdeckung möglicher Verluste genommen. Bei einer Short-Position entstehen Verluste bei steigenden Kursen.
Bei einer Long-Position entstehen Verluste bei fallenden Kursen. Short-Positionen können zur Absicherung bestehender Long-Positionen –
zum Beispiel einer Aktienposition – genutzt werden. Gewinne und Verluste der Basiswerte und der CFDs gleichen sich bei einer Absicherung aus.
Der Wert der Gesamtposition wird praktisch eingefroren.