3.1 Einleitung/Überblick


Im dritten Kapitel zur Erlangung des CFD-Führerscheins zeigen wir Ihnen, wie CFD-Geschäfte abgeschlossen werden und mit welchen Kosten
Sie dabei rechnen müssen. Hierbei gilt es zu klären, auf welche Basiswerte CFDs angeboten werden, wie Sie diese auswählen können
und wie Sie sich eine Marktmeinung zu diesen Produkten bilden können.

3.2 Erste Schritte zum Handeln

CFDs können nur über CFD-Market-Maker oder über Broker, die mit CFD-Market-Makern zusammenarbeiten, gehandelt werden.
Ein Market-Maker ist ein Unternehmen, das fortlaufend An- und Verkaufspreise in ein Handelssystem eingibt und bereit ist zu diesen Preisen zu handeln. Die Preise in der Online-Handelsplattform eines Market-Makers sind damit nicht nur angezeigte Orientierungspreise,
sondern stellen tatsächlich Preise dar, zu denen mit dem Market-Maker live gehandelt werden kann. Um mit einem Market-Maker
handeln zu können, müssen Sie ein Konto bei einem Market-Maker oder einem Broker, der mit einem Market-Maker zusammenarbeitet,
eröffnen und auf dieses Konto Geld einzahlen. Gewinne, die Sie mit CFDs machen, werden Ihrem Konto gutgeschrieben,
Verluste werden Ihrem Konto belastet. Viele Market-Maker geben Beträge an, die bei der Kontoeröffnung mindestens eingezahlt werden müssen.
Bei der Auswahl des Market-Makers oder des Brokers, welcher mit einem CFD-Market-Maker zusammenarbeitet, sollten Sie nicht nur
die Mindesteinlage, sondern auch die Höhe der geforderten Margins, die angebotene Handelsplattform sowie die angebotenen Produkte
inklusive der anfallenden Kosten vergleichen. CFDs werden auf Aktien, Rohstoffe, Indizes, Währungen, Zinsprodukte und Anleihen angeboten.
Nicht jeder CFD-Market-Maker bietet CFDs auf alle Basiswerte an. Auf welche Produkte Sie CFDs handeln möchten, hängt natürlich grundsätzlich
von Ihnen ab. Aber bedenken Sie: Die Produkte weisen unterschiedliche Risiken auf. Je höher der Hebel eines Produkts, desto höher das Risiko.

3.3 Auswahl der Produkte


Grundsätzlich sollten Sie nur solche Produkte handeln, die Ihrem Risikogefühl entsprechen. Viele Market-Maker unterstützen Sie
durch verschiedene Tools bei der Bildung einer Marktmeinung. Viele CFD-Trader nutzen insbesondere die Technische Analyse.

3.4 Kosten


Vor Geschäftsabschluss sollten Sie sich in jedem Fall mit den Kosten des CFD-Geschäfts vertraut machen. Zu den wichtigsten Kosten im CFD-Geschäft zählen die Order-Gebühren – also Transaktionskosten –, der Spread, die Slippage und die Finanzierungskosten.
Hinzu kommen spezielle Gebühren für bestimmte Orderarten wie zum Beispiel garantierte Stop-Orders. Sehen wir uns als erstes
die Order-Gebühren näher an. Order-Gebühren sind Transaktionskosten, die als prozentualer Anteil des Anlagevolumens berechnet werden.

Rechnen wir ein Beispiel:

Sie kaufen 100 CFDs zum Preis von 100 Euro pro CFD. Das Anlagevolumen beträgt 10.000 Euro.
Bei angenommenen Transaktionskosten von 0,10% betragen die Gebühren für An- und Verkauf je 10 Euro.

3.5 Gebühren und Spread


Zu beachten ist, dass viele Market-Maker Mindest-Order-Gebühren verlangen. Andererseits verzichten Market-Maker
bei manchen Basiswerten völlig auf Order-Gebühren. Order-Gebühren werden vielfach nur bei Aktien-CFDs verlangt.
Werden keine direkten Order-Gebühren erhoben, so ergeben sich dennoch Kosten aus dem Spread des Market-Makers.
Der Spread ist die Differenz zwischen dem An- und Verkaufspreis.
Angenommen, der Market-Maker kauft einen CFD zum Preis von 70,00 und verkauft einen CFD auf denselben Basiswert zu 70,04.
Wenn Sie 100 CFDs zu 70,04 kaufen und im nächsten Moment zu 70,00 an den Market-Maker zurück verkaufen,
so entsteht Ihnen ein Verlust in Höhe von 0,04 Euro x 100 = 4 Euro.
Je höher der Spread, desto größer die enthaltenen Kosten.

3.6 Slippage


Nicht zu vernachlässigen ist ein weiterer Kostenfaktor: Die Slippage.
Verändert sich der Spread des Market-Makers kurz bevor Sie ein Geschäft abschließen zu Ihren Ungunsten, so entstehen Ihnen daraus
zusätzliche Kosten. Angenommen, der Market-Maker kauft einen CFD zum Preis von 70,00 und verkauft einen CFD auf denselben Basiswert
zu 70,04. In dem Moment Ihrer Auftragserteilung zum Kauf von CFDs steigt der Verkaufspreis des Market-Makers auf 70,05. Es entstehen
zusätzliche Kosten in Höhe von 0,01 Euro pro CFD.
Die Slippage muss insbesondere auch bei nicht garantierten Stop-Orders berücksichtigt werden.
Sie können nie sicher sein, zu dem angegebenen Stop-Kurs ein Geschäft zu beenden.

3.7 Finanzierungskosten


Werden CFD-Positionen über Nacht gehalten, so entstehen bei Long-Positionen zusätzliche Kosten, da der Basiswert finanziert werden muss.
Da Sie den Basiswert – zum Beispiel Aktien – nicht direkt kaufen, sparen Sie als CFD-Käufer mögliche Finanzierungskosten, die für den Erwerb
der Aktien nötig wären. Anstelle den Kaufpreis der Aktien zu entrichten, müssen Sie nur eine deutlich geringere Margin hinterlegen.
Diese eingesparten Finanzierungskosten stellt Ihnen der Market-Maker jedoch nur in Rechnung, wenn Sie die Position über Nacht halten.

Hierzu ein Beispiel:
Sie kaufen 100 CFDs auf eine Aktie, deren Preis aktuell 100 Euro beträgt. Sie sparen also Finanzierungskosten auf ein Anlagevolumen
in Höhe von 10.000 Euro. Der EONIA –  Tagesgeldzinssatz – beträgt 1,5%. Der Market-Maker erhebt einen Zinszusatz auf den EONIA von 3%.
Mit diesen Daten lassen sich die Finanzierungskosten für einen Tag – über Nacht – berechnen:

Kontraktanzahl x Kurs des Basiswerts x Finanzierungskosten des Market-Makers = Finanzierungskosten
360
100 x 100 x (0,015 + 0,03) = 1,25
360

Die Finanzierungskosten pro Tag betragen 1,25 Euro.

3.8 Spezielle Kosten


Spezielle Gebühren werden zum Beispiel für bestimmte Orderarten wie garantierte Stop-Orders erhoben. Diese Gebühren hängen
stark vom Basiswert und dessen Volatilität sowie der generellen Ordergröße ab. Manche Market-Maker weiten bei garantieren Stop-Orders
den Spread aus, andere erheben eine direkte Gebühr. Gebühren für garantierte Stop-Orders werden bei Eingehen des Geschäfts für jedes
Geschäft neu direkt mit dem Market-Maker vereinbart.
 

3.9 Zusammenfassung


CFDs können nur über CFD-Market-Maker oder über Broker, die mit CFD-Market-Makern zusammenarbeiten, gehandelt werden.

Für den Handel mit einem CFD-Market-Maker benötigt man ein Konto, auf das Geld eingezahlt wird.
CFDs können auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Devisen, Zinsprodukte und Indizes gehandelt werden.
Nicht jeder Market-Maker bietet CFDs auf alle Basiswerte. Bei der Produktauswahl sollte bedacht werden, nur solche Produkte zu nutzen
deren Risiko man tragen möchte. Vor dem Geschäft sollten die Kosten von CFDs bedacht werden. Es lassen sich Transaktionsgebühren,
Spread, Slippage, Finanzierungskosten und spezielle Ordergebühren
unterscheiden. Transaktionskosten werden in % vom Anlagevolumen gerechnet. Der Spread ist die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis des Market-Makers. Slippage entsteht durch kurzfristige ungünstige Preisveränderungen bei Eingehen einer Order.