Kapitel 5:
Risikomanagement und MoneyManagement

Einleitung/Überblick

Mit CFDs können rasch große Gewinne aber auch Verluste entstehen. Der Hebel wirkt generell in beide Richtungen. Aus diesem Grunde ist ein umfassendes Risiko- und Money-Management im Handel mit CFDs unerlässlich. Doch was wird grundsätzlich darunter verstanden? Wie können Sie Verluste mit CFDs sinnvoll begrenzen? Diese Fragen werden in diesem Kapitel geklärt.

Grundlagen des Risikomanagements

Zum Risikomanagement gehört es zunächst einmal, alle Risiken eines Produkts zu erkennen, Risikoursachen zu finden, die Risiken zu messen und dann geeignete Maßnahmen zu treffen, die Risiken zu begrenzen bzw. zu managen. Da sich CFDs auf verschiedene Basiswerte beziehen, sind die Kursschwankungen der CFDs unterschiedlich hoch. Während einzelne Aktien sowohl aufgrund von Unternehmensnachrichten als auch aufgrund von allgemeinen Markteinflüssen schwanken, ist das Risiko von Indizes zum Beispiel geringer.

Indizes reagieren nur auf allgemeine Marktveränderungen. Generell kann das Risiko durch die Schwankungsbreite eines Basiswertes – die Volatilität – gemessen werden. Je höher die Volatilität, desto höher das Risiko. Bei CFDs, deren Basiswert auf eine andere Währung lauten, kommen Währungsrisiken hinzu.

Veranschaulichung des Risikos bei CFDs

Den unterschiedlichen grundsätzlichen Risiken wird durch unterschiedlich hohe Margin-Anforderungen durch die Broker Rechnung getragen. Je höher das Risiko, desto höher die Margin. Während für Aktien-CFDs häufig Margins zwischen 3 und 10% berechnet werden, liegen die Anforderungen für Index-, Anleihen-, Rohstoff-, und Devisen-CFDs meist darunter, häufig bei 2%. Je niedriger aber die Margin, desto höher der maximale Hebel. Bei einer sehr niedrigen Margin und einem damit verbundenen sehr großen Hebel wird das grundsätzliche Risiko des Basiswerts vervielfacht. Letztlich gilt: Je höher der Hebel bei einer gegebenen Volatilität, desto größer das Risiko.Das Risiko ist vergleichbar dem Risiko beim Kauf von Wertpapieren auf Kredit.

Tipp:
Handeln Sie stets nur Produkte mit einem Hebel, die Ihrem eigenen Risikogefühl entsprechen.


Zur Veranschaulichung des Risikos ein Beispiel:
Der DAX steht aktuell bei 6.500 Punkten. Sie rechnen mit einem Kursanstieg von mindestens 30 Punkten und beabsichtigen Ihre Position bei Erreichen dieses Kursziels wieder zu schließen. Ein Punkt im DAX hat einen Wert von einem Euro. Sie kaufen 50 CFDs auf den DAX. Die Margin beim Index-CFD auf den DAX beträgt 1%. Sie hinterlegen nur 3.250 Euro Margin, steuern jedoch ein Depot in Höhe von 325.000 Euro. Entgegen Ihrer Erwartung fällt der DAX innerhalb von 15 Minuten um 160 Punkte. Sie entschließen sich die Position zu schließen, das heißt die CFDs wieder zu verkaufen. Ihr Verlust beträgt 160 Punkte x 50 CFDs = 8.000 Euro und übersteigt damit die Sicherheitsleistung.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, die Risiken zu begrenzen. Dies soll auch ein anderes einfaches Beispiel zeigen. Fällt nach einem Aktienkauf die Aktie um 50%, so müsste sie anschließend um 100% steigen, um den Verlust wieder auszugleichen.

Die möglichen Verluste eines jeden Geschäfts müssen begrenzt werden, damit langfristig das Überleben im Handel gewährleistet ist. Der maximale Kapitaleinsatz bzw. der maximale Verlust pro Handelsposition werden im MoneyManagement festgelegt.

Money Management

Schritt 1: Ermittlung des Trading-Kapitals

Im ersten Schritt des MoneyManagement gilt es zu ermitteln, welches Kapitel generell für den Handel mit CFDs zur Verfügung steht. Es sollte nur solches Kapital eingesetzt werden, dass nicht der langfristigen Vermögensplanung zugerechnet oder als dringende Notreserve benötigt wird.

Die Ermittlung lässt sich in einem einfachen Beispiel am besten nachvollziehen: Angenommen, Ihr Vermögen nach Abzug möglicher Verbindlichkeiten und einer Notreserve von 10% beträgt 100.000 Euro.
Angenommen, dieses Kapital soll nach Ablauf eines Jahres grundsätzlich erhalten bleiben. Der für Handelszwecke freie Betrag kann nun ermittelt werden, indem man zunächst den sicher anzulegenden Kapitalbetrag berechnet,  der inklusive Zinsertrag den Mindestbetrag bei Jahresende ergibt.


Bei Annahme eines Zinssatzes von 5,25%, müssten Sie etwa 95.000 Euro  anlegen, um in einem Jahr sicher 100.000 Euro zu haben. Berechnung: 100.000 geteilt durch den Abzinsungsfaktor 1,0525 = 95.000 Euro. 95.000 Euro angelegt zu 5,25% ergeben wieder 100.000 Euro am Ende des Jahres. Die Differenz von 100.000 Euro zu 95.000 Euro ist frei  für Handelsgeschäfte: Das Trading-Kapital beträgt also 5.000 Euro.

Schritt 2: Ermittlung des Risikokapitals

Im zweiten Schritt des MoneyManagement wird jetzt ermittelt, welcher Teil des Tradingkapitals pro Geschäft maximal verloren gehen darf. Nach der sogenannten 1%-Regel dürfen pro Geschäft nicht mehr als 1% des Trading-Kapitals verloren gehen! Dies heißt nicht, dass Sie nur 1% Ihres Geldes investieren dürfen. Sie dürfen nur maximal 1% des Geldes pro Trade verlieren.
Das ist ein sehr großer Unterschied. In unserem Beispiel dürfen demnach pro Geschäft maximal 5000 Euro x 1 %, also 50 Euro verloren gehen. Wie ist das zu verstehen? Und warum nur 1%, fragen Sie?

Begründung für die 1%-Regel

Nehmen wir an, Sie haben eine 50%ige Wahrscheinlichkeit mit einem Geschäft Gewinne zu erzielen.  Mit anderen Worten: Mit 50%iger Wahrscheinlichkeit verlieren Sie Geld. Dies ist durchaus wahrscheinlich, denn niemand kann die Zukunft vorhersagen. Eine neue Nachricht kann sowohl positiv als auch negativ sein. Wenn Sie all Ihr Geld auf eine Karte setzen würden, könnte es ohne Verlustbeschränkung also schnell zu einem Totalverlust kommen. Auch wenn Sie Ihr Geld auf zwei Geschäfte aufteilen und die Verluste nicht begrenzen, ist es ebenfalls noch sehr wahrscheinlich, dass beide mit einem Totalverlust enden. Ihre Karriere als Trader wäre dann wohl ebenfalls beendet. Lassen Sie jedoch nur einen Verlust von 1/100stel Ihres Handelskapitals pro Geschäft zu, so geht die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit 100 Geschäften nacheinander den maximal zugelassenen Verlust – im Beispiel 50 Euro – machen gegen Null.

Ihr Überleben im Handel ist gesichert. Bei der Berechnung des Risikokapitals sind in jedem Falle auch sämtliche Kosten zu berücksichtigen, die Ihnen beim Handel entstehen. Dies wird später an einem Beispiel verdeutlicht.

Schritt 3: Einhaltung des Risikokapitals

Doch wie können Sie die maximale Verlustgrenze pro Geschäft – das Risikokapital – einhalten? Die Lösung wird im dritten Schritt des MoneyManagement berechnet. Bei CFDs können Sie die Einhaltung der maximalen Verlustgrenze pro Geschäft über die Anzahl der zu handelnden CFDs und/oder über den festzulegenden Stop-Kurs erreichen.

Sie haben hierbei konkret zwei Möglichkeiten:
1. Möglichkeit: Sie bestimmen die Anzahl der zu handelnden CFDs und berechnen dann den passenden Stop-Kurs, bei dem die Verluste die Verlustobergrenze nicht übersteigen.
2. Möglichkeit: Sie bestimmen, wie viele CFDs Sie kaufen oder verkaufen können, wenn Sie einen bestimmten Stop-Kurs ausgewählt haben.

Beispiel

Angenommen, Sie möchten 100 CFDs auf eine Aktie handeln. Die Aktie und der CFD kosten 140 Euro. Als Transaktionskosten berechnet Ihnen Ihr Market-Maker für An- und Verkauf insgesamt 10 Euro. Die Slippage kalkulieren Sie mit 0,05 Euro pro CFD, also insgesamt mit 5 Euro, wobei Sie berücksichtigen, dass Sie keine garantierte Stop-Order abgeschlossen haben. Die Position soll nicht über Nacht gehalten werden.

Zur Erinnerung:
Das Trading-Kapital beträgt 5.000 Euro, das Risikokapital vor Kosten beträgt 50 Euro. Das Risikokapital nach Kosten ist jedoch geringer: 50 Euro Risikokapital abzüglich der Kosten = 35 Euro Risikokapital nach Kosten. Da sie in diesem Falle die Anzahl der CFDs vorgeben, müssen Sie jetzt den Stop-Kurs ermitteln, bei dem das Risikokapital nach Kosten nicht überstiegen wird.

Ermittlung der handelbaren CFDs bei gegebenem Stop-Kurs

Da der Stop-Kurs ziemlich nah beim Einstiegskurs liegt, könnte alternativ ein anderer Stop-Kurs gewählt werden. Doch lassen Sie pro CFD mehr Verluste zu, so müssen Sie die Anzahl der CFDs reduzieren. Nehmen wir an, Sie möchten den Stop-Kurs bei 138 festlegen.

Ermittlung des Stop-Kurses bei vorgegebener Anzahl CFDs


CFD-Preis x Anzahl CFDs - Risikokapital nach Kosten
Anzahl der CFDs
140 x 100 - 35 = 139,65
100

Ermittlung der handelbaren CFDs bei gegebenem Trading-Kapital

Risikokapital pro Trade nach Kosten
CFD-Preis -Stop-Kurs
35 = 17,5
140 - 138

Zusammenfassung

Das Risikomanagement umfasst, die Risiken eines Produktes zu erkennen, zu messen, zu beurteilen und zu begrenzen.
Die Risiken von CFDs entsprechen grundsätzlich denen der Basiswerte, auf die sie sich beziehen. Aufgrund des Hebels sind die Risiken höher als im Basiswert. Jeder Händler sollte aus diesem Grunde nicht sein gesamtes Vermögen in CFDs investieren, sondern vor dem Beginn des Handels das ihm zur Verfügung stehende Trading-Kapital berechnen.

Von dem Trading-Kapital darf maximal 1% pro Geschäft verloren gehen, damit langfristig das „Überleben“ gesichert ist. Dieser Betrag kann als Risikokapital bezeichnet werden. CFD-Händler haben zwei Möglichkeiten sicherzustellen, dass das Risikokapital nicht überschritten wird:

1. Sie legen die Anzahl der zu handelnden CFDs fest und ermitteln den Stop-Kurs.
2. Sie legen den Stop-Kurs fest und berechnen die Anzahl zu handelnder CFDs.
Bei allen Berechnungen sind anfallende Kosten stets zu berücksichtigen.

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